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Plädoyer für eine intensive Zusammenarbeit von Eltern und Pädagog/innen
Familie, Schule und Kindertageseinrichtung sind die drei gesellschaftlichen Institutionen, welche die kindliche Entwicklung in den ersten 10, 12 Lebensjahren entscheidend prägen. Heute werden Erziehung und Bildung eines Kindes als "Co-Produktion" von Eltern, Lehrer/innen, Erzieher/innen und dem Kind selbst verstanden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen allen Erwachsenen, basierend auf einem intensiven dialoghaften Informations- und Erfahrungsaustausch. Zur Bezeichnung der wünschenswerten Beziehung zwischen Eltern und Erzieher/innen bzw. Lehrer/innen werden immer häufiger die Begriffe "Erziehungspartnerschaft" und "Bildungspartnerschaft" verwendet. Durch diese Begriffe wird die gemeinsame Verantwortung für die Erziehung und Bildung der Kinder betont. Eltern und Pädagog/innen verfolgen ähnliche Ziele und kooperieren bei deren Umsetzung. Als "Partner" sind sie gleichwertig und gleichberechtigt.
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Die Familie als Bildungsinstanz
Unter Wissenschaftler/innen ist seit Jahrzehnten bekannt, dass die Familie die wichtigste Bildungsinstitution ist. Bereits 1966 erschien in den USA das Aufsehen erregende Buch "Equality of Educational Opportunity" und 1967 in Großbritannien der gleich bedeutende Sammelband "Children and Their Primary Schools". In ihnen wurde anhand von Untersuchungen nachgewiesen, dass der Anteil der Schule am Schulerfolg von Kindern nur etwa halb so groß wie der Anteil der Familie ist. In den folgenden Jahrzehnten wurden Hunderte von Studien veröffentlicht, in denen ganz unterschiedliche Merkmale von Familien und Schulen in Bezug zur Schulleistung von Kindern erforscht wurden. Die Lernbedingungen in der Familie erwiesen sich in der Regel als viel bedeutsamer als Schul-, Lehrer-, Unterrichts- und Methodenmerkmale.
Offensichtlich ist, dass sich der Einfluss von Familien auf die Schulleistungen positiv oder negativ auswirken kann: In "bildungsmächtigen" Familien werden die Kinder in hohem Maße ganzheitlich gefördert, sodass sie in der Schule erfolgreich sein können. In "bildungsschwachen" Familien wird die sprachliche und kognitive Entwicklung der Kinder nur unzureichend unterstützt.
Der Schule gelingt es im Verlauf vieler Jahre nicht, diese familienbedingten Unterschiede in den Lernvoraussetzungen zu verringern. Das Gegenteil ist sogar der Fall: Mit der Zahl der Schuljahre wird die "Leistungsschere" zwischen den Schüler/innen immer größer: Kinder aus "bildungsmächtigen" Familien brillieren am Gymnasium; Kinder aus "bildungsschwachen" Familien versagen an der Hauptschule oder kommen in Förderschulen.
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Die Familie als Erziehungsinstanz
Der Einfluss der Eltern auf das Verhalten und Erleben ihrer Kinder ist bei weitem größer als der Einfluss von Lehrer/innen und Erzieher/innen. In den ersten 10, 12 Jahren wird die kindliche Persönlichkeit am stärksten von der Familie geprägt; hier erwerben Kinder die meisten sozialen und affektiven Kompetenzen.
In "erziehungsmächtigen" Familien entwickeln sich Kinder positiv und wachsen zu glücklichen, beziehungsfähigen, selbstbewussten und psychisch gesunden Menschen heran. Andere Familien sind hingegen "erziehungsschwach", beispielsweise bedingt durch Verunsicherung der Eltern in pädagogischen Fragen, Erziehungsunfähigkeit, Überbehütung, Vernachlässigung, häufig auftretende Ehekonflikte, Scheidung der Eltern und ähnliche Faktoren. Hier entwickeln Kinder häufig Verhaltensauffälligkeiten oder psychische Probleme.
Fazit
Schulen und Kindertageseinrichtungen sollten einerseits den Einfluss bildungs- und erziehungsmächtiger Familien würdigen. Andererseits müssen sie auf bildungs- und erziehungsschwache Familien positiv einwirken (und für deren Kinder besondere Förderangebote bereitstellen). Eltern, Lehrer/innen und Erzieher/innen müssen erkennen, dass die Bildung bzw. Erziehung des jeweiligen Kindes eine "Co-Produktion" ist und dass sie deshalb intensiv zusammenarbeiten sollten. Sie sind sozusagen "natürliche" Partner.
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