Bildungspartnerschaft
Je mehr die Familie als Co-Produzent von Bildung wahrgenommen und je intensiver die Kooperation mit ihr wird, umso mehr müssen Lehrer/innen und Erzieher/innen ihre Bildungsziele mit den Eltern abstimmen. Ferner sollten sie ihre Bildungsangebote in die Familien hineintragen: In Kindertageseinrichtungen können z.B. die Eltern aufgefordert werden, von den Erzieher/innen behandelte Themen zu Hause aufzugreifen und zu vertiefen. So können sie relevante Bilderbücher aus einer Bücherei ausleihen und mit den Kindern anschauen, mit ihnen über neue Begriffe sprechen oder mit ihnen z.B. ein Experiment oder eine Bastelarbeit durchführen. Die Erzieher/innen können auch Materialien wie Bilderbücher oder Lernspiele zusammenstellen, die Eltern ausleihen können. So werden diese motiviert, zu Hause bildende Aktivitäten mit ihren Kindern durchzuführen.
Auch Lehrer/innen können ähnliche Aufträge erteilen und auf diese Weise erreichen, dass Eltern und Kinder über Unterrichtsinhalte sprechen, diese vertiefen oder ergänzende Aspekte gemeinsam erarbeiten. In den USA wird seit Jahren mit so genannten "interaktiven Hausaufgaben" gearbeitet, die Lehrer/innen unter Berücksichtigung der Interessen von Eltern und Kindern entwickeln und die von Letzteren im Gespräch miteinander erledigt werden müssen. Ergänzend werden mancherorts "homework workshops" angeboten, in denen Eltern lernen, wie sie mit solchen interaktiven Hausaufgaben umgehen sollen. Dabei geht es auch um das Erlernen von Fragetechniken, die Kinder zum Nachdenken anregen. Bei Workshops an Grundschulen wird besonders betont, wie Eltern das Lesen ihrer Kinder fördern können. Inzwischen wurde nachgewiesen, dass Eltern-Kind-Interaktionen im Zusammenhang mit dem Erledigen von Hausaufgaben das Interesse an Bildung auf beiden Seiten fördern und beim Kind zu besseren Schulleistungen führen.
Eltern können auch gelegentlich in Kindertageseinrichtungen oder Schulen mitarbeiten. Wenn sie ihr Wissen, ihre beruflichen Kompetenzen, ihre Hobbys usw. einbringen, erweitert sich das Bildungsangebot. Zudem wird der Unterricht bzw. der Kindergartenalltag interessanter und abwechslungsreicher. Die Kinder profitieren in ihrer Entwicklung, weil sie neben den Pädagog/innen andere Erwachsene als Gesprächspartner, als Vorbild und Rollenmodell haben. Sie erfahren mehr Stimulation, Anleitung und Förderung. Durch die intensivere Interaktion mit Erwachsenen wird ihre sprachliche und kognitive Entwicklung beschleunigt. Ferner erwerben sie soziale Kompetenzen durch den Umgang mit zuvor oft unbekannten Personen.
Bei der Projektarbeit werden Eltern direkt in bildende Aktivitäten seitens der Schulen und Kindertageseinrichtungen eingebunden. Die Kooperation zwischen Eltern und Lehrer/innen bzw. Erzieher/innen kann in allen oder in einzelnen Phasen von Projekten erfolgen - bei der Projektplanung, -durchführung und -evaluation. Hier können Eltern am Vorbild der Pädagog/innen lernen, wie komplexe und vielseitige Bildungsprozesse geplant, initiiert und gelenkt werden können, wie die Bedürfnisse und Interessen von Kindern berücksichtigt werden, wie diese an Entscheidungen beteiligt werden und auf welche Weise ihre Lernmotivation aufrecht erhalten wird. Wenn sie während des Projekts Kleingruppen bei bestimmten Aktivitäten anleiten, ist sogar "learning by doing" möglich - mit Rückmeldung durch die Erzieher/innen bzw. Lehrer/innen. Natürlich können Eltern auch aufgefordert werden, Projektthemen zu Hause aufzugreifen und zu vertiefen.